Bandscheiben-Katheter nach Racz: Wie finde ich den richtigen Arzt?
Rückenschmerzen weg ohne Operation. Bandscheibenbehandlung kinderleicht -
Immer mehr Ärzte propagieren den Wirbelsäulen-Katheter nach Prof. Racz.
Allerdings setzt die Anwendung dieser Methode auch eine gewisse Erfahrung
voraus. Ist das der Grund, warum manche Behandlungen keinen Erfolg zeigen?
Die Wirbelsäulenliga e.V. hat sich jetzt mit diesem Thema beschäftigt.
Eigentlich klingt es ganz leicht: Bei Bandscheibenbeschwerden,
Nervenwurzelreizungen und Schmerzen nach Wirbelsäulenoperationen führt der
Arzt einen flexiblen Spezialkatheter ein und schiebt ihn unter
Röntgenkontrolle in die Nähe des Rückenmarks bis zur schmerzenden Stelle
vor. Dort verabreicht er im Abstand mehrerer Stunden schmerzstillende,
entzündungshemmende, narbenlösende und gewebsschrumpfende Substanzen. Schon
nach kurzer Zeit sind hartnäckige Beschwerden deutlich gelindert oder oft ganz verschwunden.
"Das klingt simpel, erfordert aber ein großes Geschick vom Arzt, weil das
exakte Plazieren des Katheters oft äußerst schwierig ist", erklärt
Wirbelsäulenliga-Präsident Dr. Reinhard Schneiderhan aus München. "Im
Gegensatz zu der herkömmlichen Schmerztherapie wird bei dieser aus den USA stammenden
Katheterbehandlung ein zielgenaues Platzieren an der betroffenen Nervenwurzel erreicht.
Die spezielle Technik dieses Katheters sowie die entsprechende Erfahrung des Arztes machen dies möglich".
Gerade was die Erfahrung des Arztes betrifft, empfiehlt die
Wirbelsäulenliga allen Schmerzgeplagten: "Fragen Sie Ihren Arzt, wie viele
Patienten er schon mit dem Katheter behandelt hat. Die Erfahrung des Arztes
spielt eine wichtige Rolle."
Die Zahl der Ärzte, die den Racz - Katheter in Deutschland anwenden, hat sich
allein in den letzten drei Jahren verzehnfacht. Damals gab es gerade mal
zehn Praxen und Kliniken, die die neue Methode ein- und durchführten. Heute
sind es schon über 100.
Dazu kommt: Manche Ärzte sprechen vom Racz - Katheter, führen aber
tatsächlich nur eine klassische Schmerzkatheterbehandlung durch, wie diese
beispielsweise in der Geburtshilfe zum Einsatz kommt. Das kann in manchen
Fällen schon ausreichen. Der Racz - Katheter bewirkt jedoch zusätzlich zur reinen Schmerztherapie,
das sich Narbengewebe löst und Bandscheibenvorfälle schrumpfen. Dadurch können die betroffenen Nervenwurzeln entlastet
werden - die Ursache der Schmerzen lässt sich so behandeln. Das ist der entscheidende Unterschied.
Nach Auffassung der Wirbelsäulenliga wird in Deutschland mitunter zu früh
und zu oft operiert. Den betroffenen Patienten ist deshalb zu raten, sich
vor einer Operation ruhig eine zweite Meinung einzuholen.
"Diese Anwendung ist vor allem deshalb so komplex, weil der Zugang zur
Platzierung des Katheters schwierig und die räumlichen Verhältnisse in
diesem Bereich sehr beengt sind", so der Präsident der Wirbelsäulenliga und Orthopäde Dr. Schneiderhan. "Auch Menge und Zusammensetzung der Medikamente müssen hier individuell auf die Beschwerden des Patienten angepasst werden. Eventuell können damit aber neben Rücken- und Nackenschmerzen auch wirbelsäulenbedingte
Kopfschmerzen sowie in Schulter und Arme ausstrahlende Schmerzen bekämpft
werden."
Dem Einsatz des Racz - Katheters gilt es allerdings auch kritisch gegenüber
zu stehen:
"Dazu gehört eine strenge Indikationsstellung, eine sorgfältige
Untersuchung und eine umfangreiche Befragung des Patienten nach Art und
Ausbreitung seiner Schmerzen. Alle bisherigen Behandlungsmaßnahmen müssen
berücksichtigt werden."
Nach einem normalerweise dreitägigen Klinikaufenthalt sollte sich der
Patient nach dem Eingriff zwei Wochen lang körperlich schonen. Eine leichte
Schreibtischtätigkeit kann aber aufgenommen werden, wenn der Patient ein
leichtes maßgefertigtes Mieder trägt. Wichtig ist auch eine individuelle
Nachbehandlung. Also nicht nur eine allgemeine Empfehlung zur Krankengymnastik, sondern ein genau abgestimmter Therapieplan für den Physiotherapeuten. Die Patienten dürfen sich auch nicht zu früh wieder voll belasten. Schwimmen und Radfahren sind aber zumeist schon nach drei, joggen auf weichem Boden nach vier Wochen erlaubt. Nach fünf Wochen darf man in der Regel dann auch wieder andere Sportarten ausüben.
Nach Auffassung der Wirbelsäulenliga stellt die Wirbelsäulenkathetertechnik
nach Racz heute eine wichtige Behandlungsmöglichkeit bei akuten und
chronischen Rückenschmerzen dar.
Hinzu kommt: Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren übernehmen heute immer
mehr gesetzliche Krankenkassen auf Antrag die Kosten für die Behandlung.

Auf was muss der Arzt nun achten, um Komplikationen zu vermeiden? Und wie
findet der Patient den richtigen Arzt mit dem Racz - Katheter? Diese Fragen
beantwortet eine strenge 10-Punkte-Empfehlung, die von der
Wirbelsäulenliga e.V. veröffentlicht wurde:
| 1. | Der Eingriff kann nur stationär in einer Klinik durchgeführt werden. |
| 2. | Er muss in einem Operationssaal mit Röntgengerät erfolgen. |
| 3. | Während des Eingriffs müssen ständig EKG, Blutdruck und Sauerstoffgehalt im Blut gemessen werden. |
| 4. | Ein vollausgebildeter Narkosearzt sollte anwesend sein. |
| 5. | Die Klinik sollte über eine Intensiv- beziehungsweise Wachstation verfügen. |
| 6. | Der Behandler sollte ausgebildeter Facharzt sein. |
| 7. | Er sollte zur Grundausbildung an mindestens zwei mehrtägigen Workshops bei Prof. Racz teilgenommen haben
|
| 8. | Er sollte bei mindestens zweihundert Eingriffen einem Spezialisten assistiert haben.
|
| 9. | Er sollte mindestens zweihundert weitere Eingriffe unter Aufsicht selbständig durchgeführt haben.
|
| 10. | Empfehlenswert ist eine Zulassung des Arztes durch die Ersatzkassen zur Behandlung chronisch schmerzkranker Patienten. |
Mögliche Einsatzbereiche des Racz - Katheters sind neben Schmerzen in der
Lendenwirbel- und Brustwirbelsäule auch Schmerzen an der Halswirbelsäule.
|